Essays

Romantische Illusionen vom Unglück

Unzufriedenheit und Schwermut gelten in Deutschland traditionell als Quell schöpferischer Schaffenskraft und genialischer Ideen – Was für ein Unsinn.

Hat der Mensch wirklich eine Seele?

Ernst Waelti wollte gerade einschlafen, als er fühlte, wie sein Körper erstarrte. Er versuchte, seine Hände zu bewegen, doch es gelang ihm nicht. So sehr er sich anstrengte, auch nur einen Finger zu krümmen – kein Muskel gehorchte. Nicht einmal mehr die Augen konnte er öffnen. Furcht überkam ihn. Erlebte er gerade bei vollem Bewusstsein, wie sein Organismus die Arbeit aufgab? Was erwartete ihn?

Helden des Helfens

Wir können die Welt verändern und Armut für immer Geschichte sein lassen. Dazu brauchen wir nur einen Internetanschluss und etwas mehr Mut.

Homo oeconomicus macht schlechte Geschäfte

Ein fremder Wohltäter will Ihnen 1000 Euro schenken. Allerdings stellt er eine Bedingung: Sie sollen mir etwas davon abgeben, und ich muss das Geschenk annehmen. Wenn ich es ablehne, bekommen auch Sie nichts. Wie viel bieten Sie mir?

Warum Egoisten unglücklicher leben und früher sterben

Was haben wir davon, wenn wir hilfsbereit und großzügig sind? Gar nichts, antworten nicht wenige Zeitgenossen hinter vorgehaltener Hand. Ihrer Meinung nach ist es nur einer Dressur zu verdanken, wenn Menschen wenigstens gelegentlich auch an andere denken. Zweifellos hörten wir unserem Leben Tausende Ermahnungen zur Anständigkeit – von der Anweisung der Eltern, die kostbaren Süßigkeiten mit den Geschwistern zu teilen, bis hin zu den Lehren der Religion. Aber die Frucht dieser Erziehung zur Selbstlosigkeit ist vergiftet: Wir zweifeln längst selber daran, dass wir uns aus freien Stücken um andere kümmern.

Der erste moderne Mensch

Portrait Leo 

 

erschienen in Stern 41/08

„Und hier soll Leonardo seine Leichen gewaschen haben.“ Wir waren eine steile Treppe hinuntergestiegen in die Gewölbe des Krankenhauses Santa Maria Nuova, des ältesten noch bestehenden Hospitals von Florenz; dort führte mich die  Architekturhistorikerin Esther Diana in diesen von schweren Pfeilern unterbrochenen Raum, an dessen Wänden drei steinerne Wannen standen. Jede war aus einem einzigen Felsblock gehauen, und jede bot genug Platz, um darin ein Pferd zu baden.
 

Dümmer auf Englisch

Deutsch als Sprache der Wissenschaft gerät in Vergessenheit Die Folgen sind verheerend. 
Erschienen in: FAZ,  6. Juli 2007

Vor kurzem tagte in Berlin eine Konferenz mit dem schönen Titel „Gedankenforscher“. Es ging um die Frage, ob und wie man mit neuen Verfahren der Neurowissenschaften Gedanken und Gefühle künftig direkt aus dem Gehirn herauslesen kann. Im Auditorium saßen Wissenschaftler, Vertreter von Stiftungen und des Nationalen Ethikrats, auch das Bundeskriminalamt hatte eine Abordnung entsandt. Alle Referenten - sechs Deutsche, drei aus den Vereinigten Staaten, ein Brite - waren hervorragend. Und alle sprachen Englisch oder, im Fall der deutschen Redner, mitunter auch so etwas Ähnliches. Seltsam gewählte Worte und verschlungene Sätze ließen so manchen Vortrag weniger brillant wirken, als er inhaltlich war.

Die Nachtseite der Lust

Warum Sucht ein Preis für unsere Intelligenz ist

Erschienen in: Stern 3/2008

Mein erstes Mal sollte ich  mit 13 Jahren auf einem Schulausflug ins Münchner Umland erleben. Der Lehrer hatte uns eine Stunde frei gegeben, wir Jungen machten wir uns auf den Weg in ein Wirtshaus, wo einer von uns lässig eine Runde „Helles“ bestellte. Das Bier schmeckte widerlich bitter. Aber natürlich hatte ich keine Wahl, ich musste es austrinken.

Über das Glück, Kunst zu erleben

erschienen in Brigitte Kultur 1/03

Manchmal reicht ein Blick, um ums für den Rest unseres Lebens zu verzaubern. Ich erlebte das bei meinem ersten Besuch in der Münchner Neuen Pinakothek. Gerade 16 geworden, schlenderte ich durch die Galerien, ohne besonderes Interesse, ohne große Erwartungen. Plötzlich weckte in einem der vielen Säle ein Farbenschimmer aus der Ecke meine Aufmerksamkeit.